UMTS-Stick und Handy - eine echte Alternative zu DSL und Festnetz?

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Seit Jahren gilt der DSL-Anschluss als „state of the art“, wenn es um zeitgemäßes Surfen im Internet geht. Bis heute ist dieser aber nur in Kombination mit einem Festnetzanschluss zu haben, der entsprechende Grundgebühren mit sich bringt. Und das, obwohl immer mehr Menschen – Flatrate sei Dank – fast nur noch mit dem Handy telefonieren. Doch in jüngster Zeit sind die Preise für mobiles Surfen via UMTS-Stick stark gefallen und auch die Übertragungsgeschwindigkeiten können sich inzwischen (zumindest in der Theorie) durchaus sehen lassen. Ist das nicht Grund genug, über einen völligen Verzicht auf die ortsgebundenen Anschlüsse für Telefon und Internet nachzudenken? Mehr dazu lesen Sie hier bei eVendi.de.

Noch vor wenigen Jahren war mobiles Surfen kaum praktikabel: Viel zu teuer, viel zu langsam. Schließlich bot der GSM-Standard, der den großen Handy-Durchbruch zum Ende der 90er Jahre möglich machte, anfangs gerade einmal einen Datendurchsatz von 14,4 kbit/s. DSL-Anschlüsse für Privatkunden trumpften zu dieser Zeit bereits mit Bandbreiten von an die 800 kbit/s auf. Heute sind DSL-Anschlüsse mit 16.000 kbit/s und mehr an vielen Orten verfügbar und für jedermann bezahlbar. Doch die Mobilfunker nahmen die Verfolgung auf: Zunächst bohrten sie GSM mit Technologien wie GPRS (53,6 kbit/s) und EDGE (220 kbit/s) auf. Ein wichtiger Meilenstein war die Einführung des Mobilfunkstandards der dritten Generation (3G), der hierzulande UMTS heißt. Nun waren Bandbreiten bis zu 384 kbit/s möglich. In jüngster Zeit züchten die Funknetzbetreiber ihre UMTS-Netze mit der Technologie HSDPA hoch – in Ballungsgebieten auf bis zu 7200 kbit/s. Damit stehen die mobilen Datenverbindungen zumindest in Großstädten den DSL-Anschlüssen praktisch in nichts mehr nach – zumindest, solange es um „normales“ Surfen geht und nicht um die Übertragung riesiger Dateien.

Die Rechnung geht auf
Angesichts dieser Entwicklung drängt sich die Erwägung auf, den heimischen DSL- und Festnetzanschluss ganz wegzulassen und nur noch mit dem Handy zu telefonieren und über UMTS ins Internet zu gehen. Zumal die Kosten dafür heute niemanden mehr an den Bettelstab bringen: Eine Flatrate für die UMTS-Internetanbindung bekommen Sie (wie in dieser Auflistung von Datentarifen zu sehen) mittlerweile schon ab 13,30 Euro im Monat. Dem gegenüber steht eine Ersparnis von 25 bis 30 Euro durch den Wegfall der monatlichen Grundgebühr für Ihren stationären Anschluss. Um weiterhin entspannt ins Festnetz telefonieren zu können, sollten Sie einen Handytarif haben, bei dem Telefonate ins Festnetz inklusive sind. Und damit andere Sie auch künftig gewohnt kostengünstig zu Hause anrufen können, empfiehlt sich zusätzlich eine Homezone (die bei manchen Mobilfunkanbietern auch anders heißen kann). Auf diese Weise verfügen Sie wie bisher über eine ganz normale Telefonnummer, unter der Sie zu Hause zu Festnetzkonditionen erreichbar sind – für diejenigen, die Festnetzgespräche ebenfalls inklusive haben, sogar völlig kostenlos. Ein Handyvertrag mit Festnetz-Flatrate und Homezone ist heute ab rund 17 Euro monatlicher Grundgebühr zu haben. Von diesen 17 Euro müssen Sie natürlich noch die Grundgebühr Ihres bisherigen Handyvertrags abziehen, damit die Vergleichsrechnung stimmt.

Der Ersatz des DSL- und Festnetzanschlusses durch UMTS-Stick und Handy ist also nicht nur technisch, sondern auch finanziell durchaus vernünftig. Sie sparen vielleicht keine Riesensummen, gewinnen dafür aber die grenzenlose Freiheit, von überall aus nach Herzenslust und ohne Mehrkosten zu surfen und ins Festnetz zu telefonieren – was Sie bisher nur zu Hause tun konnten. Dies ist auch dem Fortschritt bei der Akkuleistung von Notebooks zu verdanken. Speziell die kompakten und leichten Netbooks machen heute Dauereinsätze von bis zu acht Stunden mit, ohne an die Steckdose zu müssen. In Anbetracht dieses neuen Lebensgefühls erscheint auch die nötige Investition in die UMTS-Hardware als gut zu verschmerzen.

eVendi Tipp
Kosten Sie ruhig die Freiheit aus, von überall aus ins Internet gehen zu können – aber unter einem Vorbehalt: Extrem vorsichtig sollten Sie im Ausland sein! Weil Sie dort fremde Netze nutzen, werden Ihnen für den mobilen Datenverkehr Roaming-Gebühren berechnet. Und anders als bei Handytelefonaten sind diese auch innerhalb der EU bislang nicht begrenzt worden, sodass sie in vielen Fällen geradezu unverschämt hoch sind! Informieren Sie sich daher unbedingt vor dem Auslandsaufenthalt bei Ihrem Anbieter über die Partnernetze und die jeweiligen Kosten! Oder buchen Sie zum Beispiel eine Tagesflatrate direkt bei einem Mobilfunkanbieter in Ihrem Zielland.

Vorsicht Falle: Über diese Einschränkungen sollten Sie Bescheid wissen
Bevor Sie nun kurzerhand Ihren DSL- und Festnetzanschluss kündigen und auf einen UMTS-Stick umsteigen, sollten Sie sich über drei Pferdefüße im Klaren sein: Erstens ist die tatsächliche Datenübertragungsrate sehr stark von den Empfangsbedingungen an Ihrem jeweiligen Standort abhängig. Die theoretische Höchstgeschwindigkeit erzielen Sie nur bei sehr guter Netzqualität und nur dann, wenn nicht zu viele Mobilsurfer über den gleichen Funkmast ins Netz gehen – zum Beispiel abends in Innenstädten. Was für eine Geschwindigkeit vor Ort prinzipiell möglich ist, können Sie hier auf der Landkarte überprüfen. Welche Bandbreite unter den konkreten baulichen Bedingungen bei Ihnen zu Hause oder am Arbeitsplatz wirklich realistisch ist, zeigt sich jedoch erst in der Praxis.

Zweitens hat bis dato keiner der zahlreichen Mobilfunkbetreiber und Reseller eine „echte“ UMTS Flatrate im Angebot. Damit die Kunden nicht zuviel Datenverkehr verursachen, haben sich die Anbieter einen Kniff ausgedacht: Sie erhalten nur solange die an Ihrem Standort maximal mögliche Bandbreite, wie Ihr monatlicher Traffic unter fünf Gigabyte bleibt. Sobald Sie diese Grenze überschreiten, wird Ihre Verbindung für den Rest des Monats kräftig ausgebremst: Dann stehen höchstens noch 64 kbit/s für Downloads und 16 kbit/s für Uploads zur Verfügung, bei manchen Anbietern sogar noch etwas weniger. Das reicht gerade noch, um einigermaßen komfortabel Ihre E-Mails zu lesen – wenn Sie es nicht allzu eilig haben. Wollen Sie jedoch beispielsweise einen E-Mail-Anhang öffnen, kann Ihre Geduld je nach Dateigröße auf eine harte Probe gestellt werden. Von der Nutzung aufwendig gestalteter Webseiten mit Multimediainhalten wie Youtube, iTunes und Co. ganz zu schweigen. Aber dennoch: Wenn Sie nicht gerade jeden Monat eine komplette Linux-Distribution herunterladen oder jeden Tag stundenlang Video-Streams anschauen wollen, sollten Sie mit fünf Gigabyte problemlos auskommen.

Der dritte Haken an der Sache betrifft alle Fans von Kommunikations-Tools wie Skype, Yahoo Messenger oder Jabber sowie die Nutzer von Filesharing-Plattformen. Auch hier steht die Befürchtung der Mobilfunkbetreiber im Hintergrund, die Kunden könnten ein Übermaß an Traffic verursachen. Alle Anbieter untersagen deshalb im Kleingedruckten jegliche Nutzung von Voice-over-IP (VoIP) und Peer-to-Peer-Anwendungen über die mobile Internetverbindung. Die entsprechenden Programme und Verbindungen werden zwar nicht technisch blockiert, aber ihre Verwendung stellt einen Vertragsbruch dar. Für zahlreiche Menschen, die geschäftlich oder privat Videotelefonate führen oder Inhalte zum Download bereitstellen wollen, dürfte dies eine inakzeptable Einschränkung sein. Vorerst bleiben diese auf den DSL-Anschluss angewiesen.

Fazit
UMTS-Stick und Handy können zweifellos für viele „Normal-Nutzer“ ein attraktiver Ersatz für den häuslichen DSL- und Festnetzanschluss sein. Die Verbindungsqualität ist heute sowohl beim Telefonieren als auch beim Surfen vergleichbar gut und auch die Kosten bewegen sich inzwischen auf ähnlichem Niveau. Dies gilt aber nur dort, wo es mit HSDPA aufgerüstete UMTS-Netze gibt – wer sich oft außerhalb der großen Ballungszentren aufhält, schaut bis auf weiteres in die Röhre. Doch auch wer sich über eine exzellente Netzabdeckung freuen kann, sollte sich die erwähnten Hindernisse gründlich durch den Kopf gehen lassen. Speziell das Verbot von VoIP stellt für zahlreiche Interessenten sicherlich einen Knackpunkt dar. Hier darf gemutmaßt werden, dass der Einzug des drahtlosen Internets nicht auf Kosten des Geschäfts mit Handytelefonaten gehen soll. Ähnliches gilt wohl auch für die Fünf-Gigabyte-Schallmauer: In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die meisten Mobilfunkbetreiber gleichzeitig auch viel Geld mit DSL- und Festnetzanschlüssen verdienen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt – sprich, dass eine vollwertige Alternative zu DSL und Festnetz gar nicht gewollt ist.

Vanessa Schmidt | 11.10.2009 14:54
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