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EU-Ware, deutsche Ware und die Unterschiede - ein Erklärungsversuch

EU-Ware, deutsche Ware und die Unterschiede - ein Erklärungsversuch
Foto: Wikipedia

Viele der Fragen, die uns als Preisvergleich von unseren Nutzern gestellt werden, drehen sich um das Thema EU-Ware. Wo sind die Unterschiede bei Lieferumfang, Zubehör, technischen Eigenschaften und Garantie? Wie kommen die teilweise erheblichen Preisunterschiede zustande? Bekomme ich eine deutschsprachige Anleitung? Birgt der Kauf von EU-Ware, die oft auch irreführend als „Grauware“ bezeichnet wird, generell irgendwelche Nachteile gegenüber deutscher Ware?

Allgemeine und rechtliche Informationen

Das Wettbewerbsrecht spricht von „Parallelimporten“ und von „Reimporten“, die im allgemeinen Sprachgebrauch vereinfachend „Grauimporte“ genannt werden. Parallelimporte werden von deutschen (Groß-)Händlern in anderen EU-Ländern mit niedrigerem Preisniveau erworben und nach Deutschland eingeführt. Reimporte sind Waren, die in Deutschland für das EU-Ausland produziert wurden. Sie werden von deutschen Großhändlern im EU-Ausland günstiger eingekauft und dann nach Deutschland reimportiert. Beides sind Strategien, mit denen Händler die herstellerseitige Preisbindung in Deutschland umgehen und besonders niedrige Preise anbieten können. Nach geltendem EU-Recht können Waren innerhalb der EU frei verkauft werden. Daher sind diese Importe, sofern sie aus einem EU-Land importiert werden, vollkommen legal. Allerdings sind die Geräte eben nicht für den deutschen Markt hergestellt worden, was sich aus Sicht des Kunden vor allem auf die mögliche Herstellergarantie auswirkt.

Garantie und Gewährleistung

Käufer müssen zwischen den Begriffen „Garantie“ und „Gewährleistung“ differenzieren. Beide werden oft synonym verwendet, unterscheiden sich jedoch deutlich: Gewährleistung stellt eine gesetzliche Verpflichtung für die Händler dar, die Garantie ist eine freiwillige Leistung der Hersteller. Aus der Gewährleistung leiten sich zeitlich befristete Ansprüche des Kunden auf Nachbesserung von Mängeln, die zum Zeitpunkt des Kaufes bestanden, ab, auch wenn diese erst nach einer Zeit des Gebrauchs auffallen. Bei der Garantie wird die Funktionsfähigkeit des Gerätes für einen bestimmten Zeitraum durch den Hersteller garantiert. Bei einem während der Garantiezeit auftretenden Mangel oder Defekt verpflichtet sich der Hersteller freiwillig, diesen kostenfrei zu beheben. Die Garantie des Herstellers in Anspruch zu nehmen, ist daher für den Kunden wesentlich attraktiver, als sich auf die gesetzliche Gewährleistung zu berufen. Denn bei der Gewährleistung muss der Kunde dem Händler nach Ablauf von sechs Monaten nachweisen, dass ein Mangel bereits bei Auslieferung gegeben war. Im ersten halben Jahr hingegen trägt der Händler die Nachweispflicht dafür, dass der Mangel nicht schon zum Zeitpunkt des Verkaufs bestanden hat. Zudem kann der Händler hier - etwa durch Reparaturversuche - nachbessern, während ein Garantiefall direkt mit dem Hersteller geklärt wird, in der Regel durch Austausch des Gerätes.

Beschränkung der Garantie auf den vom Hersteller vorgesehen Vertriebsweg

Da die Garantie eine freiwillige Leistung des Herstellers ist, kann er diese auf bestimmte Artikel und Vertriebswege beschränken. Das bedeutet: EU-Waren können, wenn sie in Deutschland gekauft werden, über keine oder nur eine eingeschränkte Herstellergarantie verfügen. Die gesetzliche Gewährleistungspflicht des Händlers bleibt zwar unberührt, Garantieleistungen des Herstellers sind jedoch möglicherweise ausgeschlossen. Es ist im Herstellerinteresse, bestimmtes Zubehör oder Produkteigenschaften nur bei Geräten speziell für den deutschen Markt anzubieten, um beispielsweise einen höheren Verkaufspreis zu rechtfertigen. Als Unterscheidungsmerkmal dienen dem Käufer zumindest theoretisch eindeutige Produktbezeichnungen der Hersteller. So sind etwa die Modellbezeichnungen D7090/8090 bei Samsung-Fernsehern für den deutschen Markt vorgesehen, während die gleichen Geräte mit der Modellbezeichnung D7000/8000 für den Vertrieb in der EU bestimmt sind.

Allerdings werden die Modellbezeichnungen von den Händlern nicht immer korrekt verwendet. Es werden Bezeichnungen vertauscht und zur Ausstattung (z. B. Zusatzfunktionen wie HbbTV bei Fernsehern oder Zubehör wie 3D-Brillen) unterschiedliche Angaben gemacht.

Herstellerangaben Herstellerangaben Angaben Händler A Angaben Händler B Angaben Händler C
Modellbezeichnung Samsung PS51D8090 Samsung PS51D8000 Samsung PS51D8090 Samsung PS51D8000 Samsung PS51D8000
Markt Deutscher Markt EU-Ware EU-Ware keine Angaben EU-Ware
HbbTV keine Angaben keine Angaben mit HbbTV mit HbbTV ohne HbbTV
mitgelieferte 3D-Brillen keine Angaben keine Angaben 2 2 keine

Händler A verwendet die deutsche Modellbezeichnung vom Hersteller, schreibt aber in der Beschreibung, es handele sich um EU-Ware. Händler B und C verwenden die Modellbezeichnung für EU-Ware, weichen jedoch in Ausstattung und Lieferumfang ab. Der Hersteller selber macht bei diesem Modell keine Angaben zu HbbTV und Zubehör.

Herstellerangaben Herstellerangaben Angaben Händler A Angaben Händler B Angaben Händler C
Modellbezeichnung Samsung UE46D7090 Samsung UE46D7000 Samsung UE46D7090 Samsung UE46D7000 Samsung UE46D7090
Markt Deutscher Markt EU-Ware Deutscher Markt EU-Ware EU-Ware
HbbTV keine Angaben keine Angaben mit HbbTV mit HbbTV ohne HbbTV
mitgelieferte 3D-Brillen 1 1 2 2 keine

Laut Herstellerangaben wird das Gerät mit einer 3D-Brille ausgeliefert, zu HbbTV gibt es vom Hersteller keine Informationen.

Das Problem für den Käufer: Herstelleraussagen stimmen nicht mit denen der Händler überein, und die Händler selbst sind sich auch nicht einig. Der Käufer kann nicht nachprüfen, ob es sich um EU-Ware oder ein Produkt für den deutschen Markt handelt. Wie man an diesen Beispielen sehen kann, gehen verschiedene Händler ganz unterschiedlich mit dem Begriff der EU-Ware um. Und genau diese uneinheitlichen Produktbezeichnungen sorgen beim potenziellen Käufer oft für Verwirrung. Händler erwerben ihre Geräte aus unterschiedlichen Herkunftsländern und verschiedenen Chargen, aktualisieren ihre Produktbeschreibungen jedoch nicht immer zuverlässig und korrekt. Der Kunde hat daher das Nachsehen.

Wie kann man sich als Kunde schützen?

Gerade bei vermeintlichen Schnäppchen ist es unverzichtbar, genau hinzusehen und zugesicherte Ausstattungsmerkmale per Screenshot mit Datum zu dokumentieren. Werden für den Kunden wichtige Eigenschaften nicht erwähnt, sollte der Kunde den Händler kontaktieren und eine Bestätigung von Garantie, Lieferumfang und spezifischen Eigenschaften einfordern. Die Kontaktaufnahme und die Bestätigung durch den Händler sollten schriftlich erfolgen, um bei einer späteren Reklamation als Kunde die notwendigen Beweise vorlegen zu können. Fernseher für den deutschen oder europäischen Markt unterscheiden sich oft nur durch die Konfiguration der Firmware. Manchmal sind einzelne Funktionen bei EU-Ware nicht freigeschaltet. Im Internet finden sich Anleitungen zum Verändern der Konfiguration, beispielsweise zum nachträglichen Freischalten von HbbTV. Solche Eingriffe durch den Kunden sind vom Hersteller nicht autorisiert und können das Gerät unbrauchbar machen. Gewährleistung und Herstellergarantie verfallen bei Eingriffen durch den Kunden immer.

Käufer müssen sich schriftlich beim Händler absichern

Ebenso wie selbst für sehr gründliche Käufer ist es für ein Preisvergleichsportal nicht mit vertretbarem Aufwand zu unterscheiden, ob Ware für den deutschen oder einen anderen europäischen Markt bestimmt ist. Händler verwenden uneinheitliche Bezeichnungen für Geräte oder ergänzen/kürzen den vom Hersteller vorgesehenen Lieferumfang, etwa für Sonderangebote. Wir haben auch keine Kenntnis über die verschiedenen Chargen, aus denen Händler ihre Kunden beliefern und die vom Hersteller für unterschiedliche EU-Länder produziert wurden.

Wer als Kunde sichergehen will, wirklich das erwartete Gerät mit allen Funktionen und Herstellergarantien zu erhalten, muss selber aktiv werden und sich von dem Händler schriftlich alle relevanten Daten bestätigen lassen. Dann hat er, falls das ausgelieferte Gerät von der Beschreibung abweicht, alle erforderlichen Daten für eine Reklamation beim Händler. Im Rahmen der gesetzlichen Gewährleistung kann der Kunde dann vom Kauf zurücktreten und das Geld zurückfordern. Alternativ besteht auch die Möglichkeit der Nachbesserung durch Austausch des Gerätes. Abzuraten ist von eigenmächtigen Eingriffen durch den Kunden in die Firmware oder Konfiguration des Gerätes, da damit alle Garantie- und Gewährleistungsansprüche erlöschen.

Der Käufer sollte also bei jeder Bestellung genau aufpassen, die Artikelbeschreibung im Detail lesen und am besten den Händler vor Kaufabschluss kontaktieren. Nur so können sich Kunden davor schützen, vom Händler falsch deklarierte Ware mit geringerem Funktionsumfang zu erwerben oder später lästige Probleme mit der Garantieabwicklung beim Hersteller zu bekommen. Trotzdem ist von EU-Ware nicht allgemein abzuraten. Wenn man bereit ist, ggf. auf bestimmte Eigenschaften und Zubehör zu verzichten, lässt sich mit EU-Ware viel Geld sparen.

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Kommentare

Danke, ein bereits seit

Danke,
ein bereits seit langem überfälliger Artikel, der hier etwas unerwartet, aber umso positiv überraschend erscheint. Damit macht sich eVendi möglicherweise bei Verkäufern nicht gerade beliebt, dafür aber bei Käufern.
Danke schön!

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