HDTV mit HD+ und CI Plus - Generationswechsel mit Hürden

Quelle: www.hd-plus.de

Mittlerweile steht fast in jedem dritten deutschen Haushalt ein HD-fähiger Fernseher, aber laut Branchenverband Bitkom verfügen nur etwas mehr als zwei Prozent dieser Haushalte auch über ein HD-geeignetes Empfangsgerät. Bislang war dieses auch kaum hilfreich, weil die deutschen TV-Sender den Übergang zum hochauflösenden Fernsehen jahrelang verzögert haben. Nun jedoch scheint das HDTV-Zeitalter endlich auch hierzulande anzubrechen: Pro7, Sat.1 und Kabel1 wollen ab Januar und die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ab Februar 2010 große Teile ihrer Programme über Satellit in hoher Auflösung senden. Und bereits seit November 2009 strahlt der Satellitenbetreiber SES Astra die Sendungen der RTL-Gruppe im neuen Format HD+ aus. Für die Zuschauer wird die schöne neue HD-Welt aber nicht immer kostenlos bleiben. Schon seit geraumer Zeit existieren diverse Bezahlmodelle für den Empfang der PayTV-Programme, die auf der Schnittstelle Common Interface (CI) basieren. Für HD+ ist der neue Standard CI Plus vorgesehen, der den Kunden zusätzliche Einschränkungen bringen wird. Mehr dazu erfahren sie hier.

CI (Common Interface) ist eine genormte Schnittstelle für digitale Fernsehempfänger, die  normalerweise in DVB-Digitalreceivern zu finden ist. In diese steckt der Nutzer ein Modul, das verschlüsselte Pay-TV-Programme für die Wiedergabe aufbereitet. Zur Entschlüsselung des empfangenen Signals ist eine Smartcard nötig, die in der Regel vom Programmanbieter gegen Entgelt zur Verfügung gestellt und in dieses Modul eingelegt wird. So kann der Kunde mit Hilfe verschiedener Module beziehungsweise eines Kombimoduls verschlüsselte Programme unterschiedlicher Anbieter mit ebenso unterschiedlichen Verschlüsselungen empfangen. Noch praktischer ist es, wenn der Fernseher selbst über einen eingebauten Digitaltuner und eine CI-Schnittstelle verfügt. Zusätzliche Settop-Boxen und der damit unvermeidlich entstehende Kabelsalat sind dann überflüssig.

Was die Sender und Netzbetreiber am herkömmlichen CI stört
So schön ist die Theorie, aber in der Praxis unterstützt keiner der großen Kabelbetreiber in Deutschland offiziell die CI-Schnittstelle. Der Grund dafür ist der aus Sicht von kommerziellen Programmanbietern nicht ausreichende Kopierschutz für die ausgestrahlten Sendungen. So leitet das CI-Modul die entschlüsselten Video-Daten einfach innerhalb des Empfangsgerätes weiter – und wenn der Digitalreceiver über eine eingebaute Festplatte für zeitversetztes Fernsehen verfügt, kann der Besitzer die Sendung unverschlüsselt aufzeichnen und theoretisch uneingeschränkt und ohne Qualitätsverlust vervielfältigen.

Aus diesem Grund haben führende Hersteller digitaler Empfangsgeräte wie Panasonic, Philips, Samsung und Sony die CI-Schnittstelle zu CI Plus weiterentwickelt. Dieser neue Standard soll alle Kopierschutz-Anforderungen der Rechte-Inhaber und Netzbetreiber erfüllen. Hierbei bleiben die Signale innerhalb des Empfangsgerätes immer verschlüsselt und werden erst unmittelbar vor dem Bildschirm entschlüsselt. So können die Hersteller weiterhin Universalgeräte anbieten, die für alle digitalen Programme geeignet sind. Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA) haben die meisten großen Hersteller schon Modelle vorgestellt, die mit CI Plus ausgerüstet sind. Philips und Sony verkaufen als erste Hersteller bereits Fernseher mit dem neuen Standard. Die neuen Geräte mit CI Plus sind allerdings abwärtskompatibel. Wer beispielsweise ein herkömmliches CI-Modul für den Fernsehempfang nutzt, kann weiter auf Empfang bleiben, wenn er das alte CI-Modul in einen neuen Fernseher mit CI Plus steckt.


   Das neue CI Plus Logo

CI Plus: HD-Zuschauer am Gängelband
Das sind die Vorteile der neuen Technik, die aber auch ihre Nachteile hat. Eben diese sind schon auf scharfe Kritik gestoßen, weil CI Plus den Programmanbietern eine ganze Reihe von Nutzungseinschränkungen ermöglicht. Zum Beispiel können die Sender Programme mit einem Aufzeichnungsverbot belegen oder dafür sorgen, dass eine Aufnahme nur zeitlich befristet nutzbar ist. Die Netzbetreiber könnten auch Gerätemodelle, die sie nicht mehr als ausreichend sicher betrachten, komplett vom Empfang ausschließen. Außerdem lässt sich verhindern, dass der Zuschauer beim zeitversetzten Fernsehen die Werbeblöcke im schnellen Vorlauf überspringt. Andre Prahl, verantwortlich für die Programmverbreitung bei der Mediengruppe RTL Deutschland, sagte in einem Interview mit digitalmagazin.de: „Werbefinanzierung ist die Basis unseres Programms… Daran ändert sich auch in der digitalen Welt nichts. Deshalb sind wir auch bei neuen Angeboten wie HD+ selbstverständlich gegen Ad-Skipping und müssen sicherstellen, dass Werbung nicht umgangen werden kann. So muss Werbung auch bei zeitversetzter Nutzung durch digitale PVRs messbar und vermarktbar bleiben.

Fazit
Wie unschwer zu erkennen ist, stehen der weiteren Verbreitung des hochauflösenden Fernsehens in Deutschland noch immer gravierende Hindernisse im Wege. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Sender und Netzbetreiber mit CI Plus auf technischem Wege etwas verhindern wollen, gegen das sie juristisch nicht vorgehen können: das Aufzeichnen von Fernsehprogrammen für den privaten und nicht-kommerziellen Gebrauch. Durch die neuen Einschränkungen für die Aufnahme und für das zeitversetzte Fernsehen werden sie aber sicherlich zahlreiche HD-Interessierte abschrecken – schließlich sind die Fernsehzuschauer seit langem an diese Möglichkeiten gewöhnt.

Hinzu kommt, dass nur die HD-Sendungen der öffentlich-rechtlichen Sender dauerhaft frei von Extrakosten bleiben sollen. Die Privatsender wollen ihre Zuschauer für HD+ nach Ablauf eines kostenlosen Jahrs mit etwa 50 Euro pro Jahr zur Kasse bitten. Was bislang Free-TV war, verwandelt sich dank HD+ also schleichend in Pay-TV. Bei einer Umfrage des Portals video.magnus.de gaben 79 Prozent der Teilnehmer an, es sei eine Frechheit, dass werbefinanziertes Fernsehen kostenpflichtig wird. Nur rund elf Prozent halten es für angebracht, dass für HD-Qualität mehr Geld verlangt wird. Es bleibt also fraglich, wie viele Zuschauer bereit sein werden, allein für die verbesserte Bildqualität zu bezahlen – an der inhaltlichen Qualität des Programms ändert sich schließlich nichts.

eVendi.de Team | 12.11.2009 14:55
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