3D - Kommt jetzt der große Durchbruch?

Quelle: © Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com

Schon seit den 1920er Jahren ist der große Siegeszug von 3D-Fotos und -Filmen mit gleichbleibender Regelmäßigkeit immer wieder vorausgesagt worden. Trotzdem ist die 3D-Technik bislang nie richtig aus ihrem Nischendasein herausgekommen. Nach wie vor ist sie – trotz einiger kurzlebiger Hypes – eine Jahrmarkt-Kuriosität geblieben. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich natürlich, mit euphorischen Prognosen vorsichtig zu sein. Und dennoch: Nachfolgend lesen Sie hier bei eVendi.de, warum der große Durchbruch für stereoskopische Bilder und Filme jetzt tatsächlich kurz bevorstehen könnte und welche 3D-Produkte es bereits jetzt oder sehr bald zu kaufen gibt.

Vom alten Hut zum neuen Knüller?
Die dreidimensionale Darstellung von Bildern und Filmen ist wahrlich keine neue Erfindung: Schon 1838 berechnete und zeichnete der britische Physiker Sir Charles Wheatstone die ersten Stereobildpaare. Für deren Betrachtung konstruierte er einen Apparat, der den Blick mit Hilfe von Spiegeln auf die beiden Halbbilder umlenkt, und nannte ihn Stereoskop. Im Jahr 1849 stellte Wheatstones schottischer Kollege Sir David Brewster die erste Kamera mit Doppelobjektiv vor, mit der man gleichzeitig zwei stereoskopische Fotos belichten konnte. Und bereits 1922 feierte Hollywood die Premiere des ersten Langfilms in 3D: "The Power Of Love".

Raus aus der Nische durch neue Technologien

Dass 3D-Fotos und -Filme sich nie auf breiter Basis durchsetzen konnten, hat im Wesentlichen zwei Gründe: Einerseits ist es nicht unbedingt angenehm, über längere Zeit einen mit herkömmlicher 3D-Technik produzierten Film anzusehen. Hierbei werden beide Halbbilder übereinander gelegt und in Komplementärfarben eingefärbt (Farbanaglyphische Projektion, zB. Rot/Grün). Um die beiden Einzelbilder getrennt wahrzunehmen, muss der Betrachter eine Brille mit entsprechenden Farbfiltern vor dem linken und rechten Auge tragen. Im Ergebnis sieht er das Foto oder den Film nur in schwarz-weiß. Beim Analogfilm kommen weitere technische Unzulänglichkeiten hinzu: Die beiden Filmrollen laufen nicht exakt synchron und die beiden Projektionen schwanken leicht. Bei vielen Zuschauern führt dies nach einiger Zeit zu überanstrengten Augen, Schwindelgefühlen und Kopfschmerzen. Der andere, womöglich noch wichtigere Grund für die Randständigkeit von 3D-Fotos und -Filmen sind die empfindlich höheren Produktionskosten. Aufgrund dieser beiden Probleme waren 3D-Filme bislang normalerweise Kurzfilme.

Wie in so vielen anderen Bereichen, hat auch hier die digitale Revolution neue Möglichkeiten eröffnet: Digital aufgenommene stereoskopische Filme lassen sich absolut synchron und perfekt bildstabil projizieren. Hinzu kommt die Polarisationsfiltertechnik, die eine realistische Farbdarstellung ermöglicht: Es werden klare 3D-Brillen verwendet, deren eines Glas nur horizontal und das andere nur vertikal polarisiertes Licht durchlässt. Monitore und 3D-Brillen, die nach diesem Prinzip funktionieren, sind bereits seit einiger Zeit im Handel erhältlich. Preiswerte Beispiele sind hier etwa der Monitor ZM-M220W und die 3D-Brille des Herstellers Zalman, die Sie hier im Preisvergleich schon für knapp 170 beziehungsweise gut 10 Euro finden. Der neueste Fortschritt bei dieser Technologie könnte den endgültigen Durchbruch bringen: die Autostereoskopie. Der Betrachter benötigt dabei überhaupt keine Hilfsmittel mehr – die Brille trägt gewissermaßen die Leinwand beziehungsweise der Monitor. Außerdem liegen die Produktionskosten mit der Digitaltechnik nur noch fünf bis zehn Prozent über denen eines digitalen 2D-Fotos oder -Films. Dabei sind die Kinogänger Umfragen zufolge bereit, 50 Prozent mehr Eintritt für einen 3D-Film zu bezahlen.

Diese Zahlenverhältnisse haben die Filmindustrie elektrisiert: Hollywood setzt inzwischen konsequent auf 3D-Filme und hat beschlossen, eine Milliarde Dollar in die 3D-Aufrüstung von Kinosälen zu stecken. Schwergewichte der Traumfabrik, wie Dreamworks und Pixar, wollen sowohl künftige als auch ältere Filme in 3D-Versionen in die Kinos bringen. "Ice Age 3" beispielsweise war in entsprechend ausgestatteten Kinos bereits im Sommer 2009 auch in 3D zu bewundern. Die nächsten Kandidaten sind Filme wie "Avatar", "Coraline", "G-Force" und "Tim & Struppi". Außerdem sollen Filmklassiker wie "Titanic", "Star Wars" und "Indiana Jones" eine zweite Premiere als 3D-Filme feiern. Sogar "Hamlet" soll erneut in die Kinos kommen - als Musical in 3D.

3D für alle und überall
Nicht nur im Kino, auch in anderen Bereichen rollt die neue 3D-Welle an. Google hat bereits im Juni 2009 seine Videoplattform Youtube mit einem 3D-Medienplayer aufgerüstet. Sie brauchen die beiden Dateien für Ihren stereoskopischen Film nur mit dem Tag "yt3d:enable=true" zu versehen. Die hochgeladenen Clips können dann in Echtzeit mit verschiedenen 3D-Darstellungstechniken angezeigt werden. Um alle Videos zu finden, die sich auf diese Weise darstellen lassen, geben Sie einfach den genannten Tag in das Suchfeld ein.

Ebenfalls im Juni 2009 wurde während des forward2business-Zukunftskongresses in Halle die erste 3D-Live-Schaltung in Deutschland realisiert. Fernseher, die sich für die brillenlose 3D-Darstellung eignen, sind in Japan bereits auf dem Markt und sollen noch im Jahr 2009 auch in den USA Einzug halten.

eVendi Tipp
Wenn Sie zurzeit einen neuen Fernseher brauchen und an der neuen 3D-Technik interessiert sind, sollten Sie eine preiswerte Übergangslösung in Erwägung ziehen. Wenn die ersten 3D-TV-Geräte auch hierzulande auf den Markt kommen, können Sie das eingesparte Geld in die Hand nehmen, um zu den ersten stolzen Besitzern zu gehören. Bis die Fernsehsender mit 3D-Inhalten aufwarten, könnte es allerdings noch dauern.

Selbst in unseren Hosentaschen soll die dritte Dimension demnächst ankommen: Das kanadische Softwareentwicklungsunternehmen Wazabee hat im Juni 2009 zwei 3D-Entwicklertools für das iPhone 3G vorgestellt: Mit "3DeeInterlacer" und "Interlacer SDK" können Videos, Spiele und andere Anwendungen für das iPhone in 3D produziert werden. Um diese ohne 3D-Brille zu genießen, versieht der Anwender sein iPhone mit einer Art Schutzhülle namens "3DeeShell", die den nötigen Polarisationsfilter enthält. Mit "3DeeCamera" hat Wazabee auch ein Tool im Programm, mit dem sich herkömmliche Fotos zu 3D-Fotos aufbereiten lassen.

Schon zu kaufen: Die erste 3D-Kamera für Amateure

Fuji bietet seit September 2009 eine erste Kompaktkamera mit Doppelobjektiv an, die sich auch Otto-Normalknipser leisten kann. Die Fuji Finepix Real 3D W1 kann sowohl stereografische 3D-Bilder als auch -Filme erzeugen. Auch dieses völlig neuartige System, das Fuji erstmals auf der photokina im Herbst 2008 einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt hat, ist dabei nicht mehr auf 3D-Brillen oder ähnliche Hilfsmittel angewiesen. Das bloße Auge genügt, um die Fotos und Filme auf dem eingebauten Display in 3D zu betrachten. Noch eindrucksvoller wirken die Aufnahmen natürlich auf dem zugehörigen digitalen Bilderrahmen Finepix Real 3D V1, der mit einem 20,3 Zentimeter (8 Zoll) großen LC-Display ausgestattet ist. Darüber hinaus bietet Fuji auch einen Entwicklungsservice an, um 3D-Fotos auf spezielles Papier zu bringen. Auch damit entsteht der 3D-Effekt ohne Verwendung einer 3D-Brille.

Wenn Sie nun selbst 3D-Fotos oder -Videos machen wollen, sollten Sie beachten, dass bei stereoskopischen Aufnahmen in einigen Punkten neue Regeln gelten: Um eine gute dreidimensionale Wirkung zu erzeugen, müssen die Fotos über den ganzen Bereich der Bildaufnahme scharf sein. Schließlich sieht das menschliche Auge ab zirka drei Metern Abstand alle Gegenstände gleichzeitig scharf und stellt sich auf nähere Objekte sofort scharf ein. "Künstlerische Unschärfen" stören nur den 3D-Eindruck und sind deswegen im Stereobild unangebracht. Die besten Ergebnisse erhalten Sie folglich mit kurzbrennweitigen Objektiven, die eine hohe Schärfentiefe aufweisen. Auf der anderen Seite brauchen Sie sich im Gegensatz zum herkömmlichen Fotografieren nicht mehr um die "richtige Perspektive" zu kümmern, um den Eindruck von Tiefe zu erzeugen.

Fazit
Wie eingangs erwähnt, empfiehlt es sich, zurückhaltend mit der Voraussage zu sein, 3D-Fotos und -Filme stünden kurz vor ihrem triumphalen Einzug in den Massenmarkt. Diese Erwartung wurde in den vergangenen Jahrzehnten einfach schon zu oft enttäuscht. Durch die preiswerteren digitalen Aufnahme- und Wiedergabeverfahren sowie die neue, in den Bildschirm beziehungsweise in die Leinwand integrierte Polarisationsfiltertechnik werden die Karten allerdings neu gemischt. Zentrale Hemmnisse für den großen Durchbruch von 3D fallen damit weg, sodass die 3D-Revolution zumindest im Kino anscheinend nicht mehr aufzuhalten ist. Möglicherweise wird die Entwicklung vergleichbar mit der der Elektroautos sein: Auch diese wurden schon vor über 100 Jahren erfunden, sind aber erst jetzt dank der neuen Litium-Ionen-Akkus im Begriff, wirklich praxistauglich zu werden. Es bleibt jedoch noch ein entscheidendes Problem: Der Betrachtungswinkel, innerhalb dessen sich der 3D-Effekt ohne 3D-Brille einstellt, ist bei Bildschirmen vorläufig noch sehr gering. Der Betrachter muss sich also ziemlich mittig davor befinden. Die Hersteller arbeiten jedoch intensiv an dieser Schwäche und konnten den Winkel bereits auf etwa 10 bis 15 Grad vergrößern.

Sven Kloevekorn | 04.09.2009 10:49
Top Shops bei eVendi

© 1997-2014 Copyright by eVendi GmbH & Co. KG